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Mere-Exposure-Effekt: Je öfter wir etwas sehen, desto lieber mögen wir es

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Autor
Christoph Böcker
Christoph Böcker

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Menschen, Namen, Produkte oder Songs: Der Mere-Exposure-Effekt beschreibt das Phänomen, dass wir Dinge positiver bewerten, wenn wir sie häufiger wahrnehmen. Warum der Mere-Exposure-Effekt so mächtig ist, wo du ihn überall beobachten kannst und wie du ihn für dein Marketing nutzen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist der Mere-Exposure-Effekt?

Der Mere-Exposure-Effekt (auf Deutsch in etwa: Effekt des bloßen Kontakts) bezeichnet den psychologischen Effekt, dass wir (anfangs neutral bewertete) Dinge nur durch eine öftere Wahrnehmung statt immer positiver bewerten.

Je öfter wir etwas sehen, desto besser finden wir es also. Dieser Effekt wurde bei einer Vielzahl von Dingen beobachtet und nachgewiesen, darunter:

  • Namen und Begriffe
  • Logos und Symbole
  • Jingles und Melodien
  • Gerüche und Geschmäcke
  • Personen und Gesichter

Dass die Vertrautheit von Dingen bei einem wiederholten Kontakt steigt und in der Folge auch die Bewertung besser ausfällt, klingt so plausibel, dass einem die Entdeckung im Jahr 1968 überraschend spät vorkommt. Vater des Mere-Exposure-Effekts ist der US-amerikanische Psychologie-Professor Robert Zajonc.

Wichtig: Der Mere-Exposure-Effekt tritt unterbewusst auf. Aus diesem Grund spielt es keine Rolle, ob du der Wahrnehmung bewusst bist oder nicht. Eine wiederholte bewusste Wahrnehmung kann den Effekt sogar abschwächen.

Wir mögen uns im Spiegel lieber als auf Fotos

Magst du dein Spiegelbild lieber als deine Aussehen auf Fotos? Das liegt in der Regel nicht daran, dass deine Kamera nicht gut ist oder du nicht fotogen bist, sondern am Mere-Exposure-Effekt.

Unser spiegelverkehrtes Selbstbild ist uns viel vertrauter als die nicht gespiegelte Version auf Fotos.

Uns gefällt unser Spiegelbild dank Mere-Exposure-Effekt besser als Fotos
Uns gefällt unser Spiegelbild dank Mere-Exposure-Effekt besser als Fotos

Mere-Exposure-Test: Mach doch einmal zwei identische Selfies von dir. Bei einem spiegelst du die Darstellung und beim anderen nicht. Welches gefällt dir besser? Vermutlich das gespiegelte Selfie, oder?

Auch im Negativen funktioniert der Effekt

Übrigens funktioniert der Mere-Exposure-Effekt nur, wenn wir etwas beim ersten Mal Wahrnehmen nicht negativ bewertet haben. Bei einer negativen ersten Bewertung tritt sogar eine gegenteilige Wirkung ein. Durch eine Wiederholung eines Reizes oder einer Darbietung wird die Abneigung stärker.

Haben deine Eltern auch versucht, dir Essen, das du gehasst hast, immer wieder schmackhaft zu machen? Vermutlich hat es nicht funktioniert, oder?

Der Mere-Exposure-Effekt funktioniert auch im Negativen
Der Mere-Exposure-Effekt funktioniert auch im Negativen

Ein weiteres Beispiel für den gegenteiligen Effekt: Ein Song, den du nicht magst, findest du bei jedem Mal hören noch schlimmer und deine Einstellung ändert sich auch nicht, wenn du die Musik in Dauerschleife hörst.

Der Mere-Exposure-Effekt in der Werbung

In der Werbung ist der Mere-Exposure-Effekt omnipräsent. Viele Firmen nutzen dieses Phänomen, um Menschen für ihre Produkte und Dienstleistungen zu begeistern. Die Wirkung ist unbestritten und viele Studien und Experimente mit Probanden belegen immer wieder, wie mächtig der Mere-Exposure-Effekt ist. Hier sind ein paar Beispiele für den Einsatz und den Effekten einer höheren Darbietungshäufigkeit.

Wahlplakate von Politikern

Dass in deiner Region bald wieder Wahlen anstehen, wirst du spätestens dann bemerken, wenn die Orte wieder voll von Wahlplakaten sind. Politiker versuchen, mit einer häufigen Darbietung auf den Plakaten sowie vermehrten Auftritten in den Medien präsent und dadurch populär zu werden.

Wahlplakat zur Landtagswahl in Sachsen, Quelle: Wikimedia
Wahlplakat zur Landtagswahl in Sachsen, Quelle: Wikimedia

Songs im Radio und im Internet

In der Musikindustrie gehört der Mere-Exposure-Effekt zu den wichtigsten Marketinginstrumenten. Insbesondere neue Songs werden möglichst häufig im Radio gespielt, um bei den Hörern beliebter zu werden. Bei Songs auf Social Media lässt sich ein ähnliches Phänomen beobachten. Insbesondere TikTok verhilft Songs durch eine starke Präsenz in den Clips zu einer enormen Popularität.

Kurios war zum Beispiel der Schlagersong „Wir Sagen Dankeschön“ von den Flippers aus dem Jahr 2009, der im Sommer 2022 auf TikTok viral ging und zu einem der Hits des Jahres wurde.

Mere-Exposure: Dankeschön von den Flippers
Mere-Exposure-Effekt: „Wir Sagen Dankeschön“ von den Flippers war auf TikTok omnipräsent

Sponsoring von Sportlern

Durch das Sponsoring von Sportmannschaften und Sportlern versuchen Firmen nicht nur, das positive Image der Sportler auf die eigene Marke zu übertragen, sondern auch eine starke, wiederholte Präsenz bei der Zielgruppe zu haben.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Allianz Arena. Bei jedem Heimspiel des FC Bayern München und bei jeder Nennung der Spielstätte ruft sich die Versicherung in Erinnerung.

Mere-Exposure-Effekt durch Sponsoring, Beispiel: Allianz Arena
Mere-Exposure-Effekt durch Sponsoring, Beispiel: Allianz Arena

Werbespots

Die meisten Werbespots werden kontinuierlich wiederholt, um den Mere-Exposure-Effekt zu nutzen. Selbst kurze Wiederholungen von Spots zu einem Produkt führen zu einer positiveren Einstellung der Menschen zu dieser Sache.

Werbejingles und Slogans sind ein gutes Beispiel, wie hartnäckig sich ein wiederholt wahrgenommener Reiz in das Unterbewusstsein von Menschen einnisten kann.

Hier ein paar Slogans und Werbegeschichten, die du bestimmt kennst:

  • Carglass repariert, Carglass tauscht aus
  • Morgens halb zehn in Deutschland (Knoppers)
  • Red Bull verleiht Flügel
Mere-Exposure-Effekt: Bekannter Slogan aus der Knoppers-Werbung
Mere-Exposure-Effekt: Bekannter Slogan aus der Knoppers-Werbung

Wenn du einen Steinschlag in deiner Windschutzscheibe hast, welches Unternehmen wird dir nun als Erstes in den Sinn kommen? Vermutlich Carglass, denn die Firma leistet gute Marketing-Arbeit und durch die wiederholten Werbemaßnahmen hast du vielleicht ein positives Bild von dem Unternehmen und nimmst für deine Sache Kontakt zu ihnen und nicht zur Konkurrenz auf.

Wahrnehmungs-Battle der Lieferdienste

In der Coronapandemie erlebten nicht nur Essens-Lieferdienste einen Boom, sondern auch Lieferservices von Produkten des täglichen Bedarfs. In den großen Städten kämpften mehrere Anbieter von Supermarkt-Artikeln um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe.

Nicht nur online kam man insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 kaum an den Werbeanzeigen der drei Platzhirsche Gorillas, flink und getir vorbei, auch offline waren die Lieferdienste ausgesprochen präsent.

Dabei konnte man beobachten, dass in der einen Woche die ganze Stadt voll von schwarzen Gorillas-Werbeplakaten war und in der Woche darauf alles vom Pink von flink gezeichnet war.

Diese Unternehmen versuchten alle gleichzeitig, die Gunst der Menschen mit dem Mere-Exposure-Effekt zu gewonnen und durch wiederholte Werbung zur favorisierten Wahl für die nächste Bestellung zu werden.

Social Media

Auch auf Social Media entfaltet der Mere-Exposure-Effekt eine mächtige Wirkung. Die Regelmäßigkeit, mit der viele Content Creators auf Plattformen wie Instagram oder Twitter aktiv sind, führt sukzessiv zu einer positiveren Bewertung von den Abonnenten.

Neben dem regelmäßigen Posten von Inhalten ist auch der Kontakt zu den Fans über Kommentare und Nachrichten sehr wirkungsvoll für den Erfolg auf Social Media.

Mere-Exposure-Effekt bei Social Media
Mere-Exposure-Effekt bei Social Media

So nutzt du den Mere-Exposure-Effekt im Online-Marketing

Vielleicht hast du den Mere-Exposure-Effekt schon unbenutzt für deine Werbung verwendet. Wenn du die Psychologie dieses Effekts bewusst verwendest, kannst du noch bessere Erfolge erzielen.

Ein simples Beispiel: Wenn du Call-to-Actions auf deiner Seite immer ähnlich gestaltest, kann das zu einer höheren Klickrate führen.

Content-Marketing

Im Content-Marketing versorgst du deine Zielgruppe mit wertvollen Informationen oder unterhältst sie. Im Gegensatz zu Werbung mit bezahlten Anzeigen, die sofort Traffic auf deine Seite bringt, benötigt Content-Marketing Zeit, um Effekte für deine Sache zu entfalten. Nur durch eine wiederholte Präsenz bei deiner Zielgruppe machst du dir einen Namen und verbesserst die Einstellung deiner potenziellen Kunden zu deinen Produkten und Leistungen.

Content-Marketing ist ein gutes Beispiel für den Mere-Exposure-Effekt
Content-Marketing ist ein gutes Beispiel für den Mere-Exposure-Effekt

Egal, ob per Video, per Blogartikel auf deiner Seite oder per Social-Media-Post: Durch Content-Marketing baust du allmählich eine Beziehung zu deiner Zielgruppe auf. Durch eine gewisse Häufigkeit in deinen Beiträgen nutzt du den Mere-Exposure-Effekt aus und betreibst ein subtiles Marketing in eigener Sache.

Newsletter

Je häufiger du im Posteingang deiner Kunden auftauchst, desto stärker nutzt du den Mere-Exposure-Effekt. Viele Unternehmen nutzen diesen Umstand aus und versenden sehr regelmäßige Newsletter. Selbst wenn zwanzig E-Mails ohne Erfolg bleiben, kann es sein, dass der einundzwanzigste dann dazu führt, dass der Kunde dann etwas aus dem Online-Shop bestellt.

Mere-Exposure-Effekt durch Newsletter
Mere-Exposure-Effekt durch Newsletter

Wichtig: Bei Newslettern gilt nicht prinzipiell: je häufiger, desto besser. Bei einer zu hohen Frequenz kann es möglicherweise sein, dass ein gegenteiliger Effekt eintritt und deine Zielgruppe genervt ist. Behalte deine Öffnungsraten, Klickraten und Austragungsraten deswegen genau im Auge.

Social Media

Überlege dir, auf welchen sozialen Medien deine Zielgruppe unterwegs ist, und verfasse dort regelmäßige Inhalte. Damit steigerst du durch den Mere-Exposure-Effekt die Wahrscheinlichkeit, dass deine Zielgruppe nach einer kontinuierlichen „Wiederholung des Reizes“ irgendwann einmal Kunden von dir werden.

Dabei solltest du unbedingt darauf achten, dass jeder Reiz positiv ist. Nervst du deine Zielgruppe mit deiner Werbung oder ruft dein Thema sehr negative Emotionen hervor, kann das auch zu einem „negativen“ Mere-Exposure-Effekt führen.

Mehr Informationen über psychologische Effekte und Behavior Patterns findest du in diesem Beitrag.

Nutzt du den Mere-Exposure-Effekt für dein Marketing? Oder hast du bei dir selbst schon bemerkt, wie dieses Prinzip aus der Psychologie wirkt? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

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